Microsoft empfiehlt eine Reihe von Baseline-Policies, die in jeder Microsoft 365 Umgebung konfiguriert sein sollten. Die folgenden Richtlinien bilden das Fundament einer sicheren Zugriffskonfiguration.
MFA für alle Benutzer erzwingen
Multi-Faktor-Authentifizierung ist die einzelne Maßnahme mit dem höchsten Sicherheitsgewinn. Microsoft gibt an, dass MFA über 99 Prozent aller kontobasierten Angriffe verhindert. Die empfohlene Konfiguration erfolgt über eine Conditional Access Policy statt über die ältere Per-User-MFA-Methode, da Policies mehr Kontrolle und Flexibilität bieten.
Empfohlene Konfiguration: Alle Benutzer einschließen, Notfallkonten (Break-Glass Accounts) ausschließen, als Zugriffsanforderung MFA erzwingen. Als Authentifizierungsmethode sollten die Microsoft Authenticator App, Passkeys oder FIDO2-Sicherheitsschlüssel verwendet werden – nicht SMS, da diese für SIM-Swapping-Angriffe anfällig ist.
Anmeldungen aus unbekannten Standorten blockieren (Geofencing)
Mit Conditional Access können Sie Anmeldestandorte gezielt steuern. Definieren Sie in Microsoft Entra ID unter „Benannte Standorte" die IP-Bereiche Ihrer Unternehmensstandorte als vertrauenswürdige Standorte. Erstellen Sie anschließend eine Policy, die Anmeldungen von allen anderen Standorten blockiert oder MFA erzwingt.
Für Unternehmen mit Mitarbeitenden im Ausland lassen sich länderspezifische Ausnahmen definieren. Ein Beispiel: Der Zugriff wird generell auf Deutschland beschränkt, für einzelne Benutzer aber auch aus dem jeweiligen Einsatzland erlaubt.
Nur konforme Geräte zulassen (Devicefencing)
In Kombination mit Microsoft Intune stellt Conditional Access sicher, dass nur verwaltete und richtlinienkonforme Geräte auf Unternehmensdaten zugreifen können. Ein Gerät gilt als konform, wenn es die in Intune definierten Compliance-Richtlinien erfüllt – beispielsweise aktuelles Betriebssystem, aktivierte Festplattenverschlüsselung und aktiver Virenschutz.
Geräte, die diese Anforderungen nicht erfüllen, werden automatisch blockiert oder erhalten nur eingeschränkten Zugriff über den Browser.
Legacy-Authentifizierung blockieren
Ältere Authentifizierungsprotokolle wie POP3, IMAP und SMTP Auth unterstützen keine Multi-Faktor-Authentifizierung. Solange diese Protokolle erlaubt sind, kann ein Angreifer mit gestohlenen Zugangsdaten MFA umgehen. Die Lösung: Erstellen Sie eine Conditional Access Policy, die Anmeldungen über Legacy-Protokolle für alle Benutzer blockiert.
Prüfen Sie vorab in den Entra ID Sign-in Logs, ob noch Anwendungen Legacy-Protokolle nutzen. Typische Kandidaten sind ältere Druckersysteme, CRM- oder ERP-Systeme und Outlook-Versionen vor 2016.
Separate Regeln für Administratorkonten
Administratorkonten sind das wertvollste Ziel für Angreifer. Konfigurieren Sie für alle Konten mit administrativen Rollen verschärfte Policies: Phishing-resistente MFA (Passkeys oder FIDO2), Anmeldung ausschließlich von konformen Geräten und Einschränkung auf vertrauenswürdige Standorte.
Ein kompromittierter Admin-Account kann zu vollständigem Datenverlust führen. Der Stryker-Vorfall, bei dem über einen einzigen kompromittierten Admin-Account 80.000 Geräte gelöscht wurden, zeigt die Tragweite.