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802.1X nach dem Windows-Update: Warum sich Firmengeräte nicht mehr am WLAN anmelden
Seit dem Oktober-Update KB5127648 scheitert bei vielen Unternehmen die automatische 802.1X-Anmeldung mit PEAP-MSCHAPv2 am WLAN und am LAN. Wir erklären die Ursache, den kurzfristigen Workaround und warum jetzt der richtige Zeitpunkt für EAP-TLS mit Zertifikaten ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Seit dem Windows-Sicherheitsupdate KB5127648 vom 13. Oktober 2026 blockiert Windows 11 standardmäßig NTLMv1-abgeleitete Anmeldedaten für Single Sign-on.
- Dadurch scheitert die automatische 802.1X-Anmeldung mit PEAP-MSCHAPv2 oder EAP-MSCHAPv2 an WLAN, LAN und VPN, während PSK-Netze und EAP-TLS nicht betroffen sind.
- Microsoft stuft die Änderung als geplante Sicherheitsverschärfung ein, sie wird also nicht zurückgenommen.
- Ein Registry-Wert hilft kurzfristig, ist laut Microsoft aber keine Dauerlösung.
- Die nachhaltige Lösung ist 802.1X mit EAP-TLS und Gerätezertifikaten, die über Microsoft Intune verteilt werden.
Was ist bei 802.1X nach dem Oktober-Update passiert?
Viele Unternehmen sichern ihr Firmen-WLAN und ihre Netzwerkports mit 802.1X ab. Seit dem Windows-Sicherheitsupdate KB5127648 vom 13. Oktober 2026 melden Administratoren jedoch, dass sich Windows-11-Geräte nicht mehr automatisch anmelden. Borns IT- und Windows-Blog hat die aktuellen Probleme mit WLAN, VPN und Druckern am 25. Oktober noch einmal zusammengefasst. Betroffen sind Windows 11 24H2, 25H2 und 26H2.
Die Ursache ist keine fehlerhafte Funktion, sondern eine Sicherheitsverschärfung: Windows blockiert seit diesem Update standardmäßig Anmeldedaten, die aus NTLMv1 abgeleitet werden, wenn sie für Single Sign-on genutzt werden. Die zugehörige Einstellung BlockNtlmv1SSO wechselt von Audit auf Enforce. Genau diese Anmeldedaten braucht PEAP-MSCHAPv2, wenn das Gerät die Windows-Anmeldung automatisch für das Netzwerk verwendet. Microsoft hat die Änderung im Message Center unter MC1508562 angekündigt und betrachtet sie als geplante Härtung. Sie bleibt also bestehen.
Welche Geräte und Netze sind betroffen?
- Windows-11-Geräte ohne Credential Guard, die PEAP-MSCHAPv2 oder EAP-MSCHAPv2 mit den Windows-Anmeldedaten nutzen.
- WLAN mit WPA2-Enterprise oder WPA3-Enterprise, kabelgebundenes 802.1X am Switch-Port sowie VPN-Profile mit MS-CHAPv2.
- Geräte mit aktiviertem Credential Guard konnten MS-CHAPv2 mit Single Sign-on schon vorher nicht nutzen.
- Nicht betroffen sind Netze mit Pre-Shared Key (WPA2-Personal oder WPA3-Personal) und die zertifikatsbasierte Anmeldung mit EAP-TLS.
Woran erkennen Sie das Problem?
Das Gerät verbindet sich nicht mehr automatisch, Nutzer werden nach Benutzername und Passwort gefragt, und das Passwort lässt sich nicht dauerhaft speichern. Die manuelle Eingabe funktioniert oft weiterhin, was die Fehlersuche erschwert.
Wichtig für die Analyse: Der Fehler entsteht auf dem Endgerät, bevor überhaupt eine Anfrage an den RADIUS-Server geht. In den Protokollen des Network Policy Servers sehen Sie deshalb meist nichts. Prüfen Sie stattdessen auf dem Client das Ereignisprotokoll Microsoft-Windows-NTLM/Operational. Das Ereignis 4025 zeigt eine Blockierung, das Ereignis 4024 eine Protokollierung im Audit-Modus.
Kurzfristiger Workaround: Was er kann und was nicht
Setzen Sie auf betroffenen Geräten den Registry-Wert BlockNtlmv1SSO (DWORD) unter HKLM\SYSTEM\CurrentControlSet\Control\Lsa\MSV1_0 auf 0, kehrt Windows in den Audit-Modus zurück und die Anmeldung funktioniert wieder. In Microsoft Intune gibt es dafür keinen Eintrag im Einstellungskatalog. Die Verteilung erfolgt als Remediation oder Skript im Systemkontext, in klassischen Domänen über Gruppenrichtlinien-Einstellungen.
Beachten Sie dabei drei Punkte:
- Microsoft empfiehlt, diese Einstellung sorgfältig zu bewerten und nicht dauerhaft zu nutzen, weil sie einen veralteten Anmeldeweg wieder öffnet.
- Auf Geräten mit Credential Guard hilft der Wert nicht.
- Deinstallieren Sie das Update nicht. Es schließt Sicherheitslücken, die bereits aktiv ausgenutzt werden.
Unser Rat: Setzen Sie den Workaround nur mit einem festen Enddatum und dokumentieren Sie ihn als Ausnahme.
Die dauerhafte Lösung: 802.1X mit EAP-TLS und Zertifikaten
Mit EAP-TLS weist sich das Gerät oder der Nutzer nicht mehr mit einem Passwort aus, sondern mit einem Zertifikat. Das ist sicherer, weil es keine Passwörter gibt, die abgefangen werden können, und weil nur verwaltete Geräte ein Zertifikat erhalten. Von der schrittweisen Abschaffung von NTLM ist EAP-TLS nicht betroffen.
Für die Umstellung brauchen Sie drei Bausteine:
- Eine Zertifizierungsstelle, die Zertifikate an Geräte oder Nutzer ausstellt, zum Beispiel Microsoft Cloud PKI oder eine bestehende AD CS mit dem Intune Certificate Connector.
- Einen RADIUS-Server mit EAP-TLS-Unterstützung, zum Beispiel den Network Policy Server von Windows Server oder einen RADIUS-Dienst aus der Cloud.
- **Profile in Microsoft Intune**, die das Stammzertifikat, das Gerätezertifikat per SCEP oder PKCS und das passende WLAN-Profil ausrollen.
Bewährt hat sich ein Vorgehen in sechs Schritten: Bestandsaufnahme aller 802.1X-Profile, Workaround mit Enddatum, Verteilung des Stammzertifikats, Verteilung der Gerätezertifikate, schrittweise Umstellung der WLAN- und LAN-Profile auf EAP-TLS und zum Schluss das Entfernen der Ausnahme.
Was bedeutet das für UniFi Netzwerke?
In UniFi Netzwerken leiten Access Points und Switches die 802.1X-Anmeldung an den RADIUS-Server weiter. Die eigentliche Umstellung findet deshalb auf dem Endgerät und am RADIUS-Server statt. In UniFi Network bleibt das WLAN als WPA2-Enterprise oder WPA3-Enterprise mit einem RADIUS-Profil eingerichtet. Für den Übergang bietet sich eine eigene Test-SSID an, über die eine Pilotgruppe zuerst mit EAP-TLS arbeitet, bevor Sie das produktive WLAN umstellen.
Wie wir 802.1X in größeren Umgebungen mit einer zentralen Richtlinienplattform umsetzen, zeigen wir am Beispiel UniFi 802.1X mit Cisco ISE. Passende Hardware für ein sicheres Firmen-WLAN finden Sie bei unseren UniFi Access Points.
Wie die InSys AG® Sie bei der Umstellung unterstützt
Die InSys AG® ist Microsoft Solutions Partner für Security sowie Ubiquiti Enterprise Partner und UniFi Professional Integrator. Damit betreuen wir beide Seiten der 802.1X-Anmeldung aus einer Hand: Zertifizierungsstelle, Intune-Profile und RADIUS auf der Microsoft-Seite, WLAN und Switches auf der UniFi Seite. Wir analysieren Ihre bestehenden Profile, setzen den Workaround kontrolliert um und planen mit Ihnen den Umstieg auf EAP-TLS. Rufen Sie uns an unter +49 (521) 260105-0 oder nutzen Sie das Kontaktformular unter diesem Beitrag.
Häufige Fragen
Warum funktioniert 802.1X mit PEAP nach dem Windows-Update KB5127648 nicht mehr?
Seit dem Update vom 13. Oktober 2026 blockiert Windows 11 standardmäßig NTLMv1-abgeleitete Anmeldedaten für Single Sign-on. PEAP-MSCHAPv2 benötigt diese Anmeldedaten, wenn das Gerät die Windows-Anmeldung automatisch für WLAN, LAN oder VPN verwendet. Die Anmeldung scheitert deshalb auf dem Endgerät.
Sollte ich das Update KB5127648 deinstallieren?
Nein. Das Update schließt Sicherheitslücken, die bereits aktiv ausgenutzt werden. Kurzfristig hilft der Registry-Wert BlockNtlmv1SSO mit dem Wert 0, dauerhaft sollten Sie auf EAP-TLS mit Zertifikaten umstellen.
Ist WLAN mit Pre-Shared Key ebenfalls betroffen?
Nein. WPA2-Personal und WPA3-Personal mit Pre-Shared Key sind nicht betroffen, ebenso wenig die zertifikatsbasierte Anmeldung mit EAP-TLS. Betroffen ist die automatische Anmeldung mit PEAP-MSCHAPv2 oder EAP-MSCHAPv2.
Warum zeigt mein RADIUS-Server keine Fehler an?
Der Fehler tritt auf dem Windows-Gerät auf, bevor eine Anfrage an den RADIUS-Server gesendet wird. Hinweise finden Sie im Ereignisprotokoll Microsoft-Windows-NTLM/Operational des Clients, zum Beispiel im Ereignis 4025.
Was brauche ich für 802.1X mit EAP-TLS?
Sie benötigen eine Zertifizierungsstelle wie Microsoft Cloud PKI oder AD CS, einen RADIUS-Server mit EAP-TLS-Unterstützung und ein Gerätemanagement wie Microsoft Intune, das Stammzertifikat, Gerätezertifikate und WLAN-Profile verteilt.

